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125 Jahre Landkreis Hameln-Pyrmont

Kleine und große Geschichte(n) vom „Königlichen Landrathsamt Hameln“ bis zum „Landkreis Hameln-Pyrmont“

Autorin: Kreisarchivarin Karin Schaper

Kopflos war er deswegen sicherlich nicht, aber auf jeden Fall schlüssel-los, als Landrat Rudolf von Valentini im September 1889 auf der Suche nach dem Schlüssel zu dem „fiskalischen Kirchenstand“ in der Hamelner Marktkirche war. Seit 1876 standen dort nämlich den Beamten des Landratsamtes zwei Sitze zu, für deren Benutzung alle 20 Jahre 10 Mark „Lehnsgeld“ aus der Kreiskasse gezahlt werden mussten. Nun war der Schlüssel verschwunden, und Landrat von Valentini wandte sich an den ehemaligen Kreishauptmann Meyer, der vier Jahre zuvor bei der Bildung des Kreises Hameln am 1. April 1885 als Geheimer Regierungsrat in den Ruhestand verabschiedet worden war. Der aber hatte damals den besagten Schlüssel an Carl von Delius, seinen „Dienstnachfolger“ und ersten Hamelner Landrat abgegeben:
 
Carl von Delius blieb nur drei Jahre in Hameln, und das Schreiben vom 22. Mai 1888 mit dem schönen Briefkopf „Königliches Landrathsamt“ (in dem es um die Genehmigung der Statuten des Kriegervereins Groß Berkel ging) hatte schon sein Nachfolger, der „kommissarische Landrathsamts-Verwalter v.Valentini“ unterzeichnet (ob der vermisste Schlüssel für die abgesperrten Kirchenbänke wieder aufgefunden wurde, ist leider nicht überliefert!).
 
Zu den Aufgaben des neugebildeten Landratsamtes am Pferdemarkt gehörte unter anderem auch die Genehmigung und Kontrolle von Veranstaltungen im Kreis: So bat der Gemeindevorsteher Kipp aus Welsede im Juni 1900 um Genehmigung eines Grenzbeziehungsfestes, das man dort am 22. und 23. Juli feiern wollte. Da das letzte Fest vier Jahre zurücklag und das Sängerfest im Nachbarort Amelgatzen wegen der in Welsede ausgebrochenen Pocken ausgefallen war, wurde die Veranstaltung genehmigt (Ansteckungsgefahr bestand nicht mehr!). Auch in Salzhemmendorf musste im Sommer 1911 ein Fest „wegen der Seuche“ ausfallen: Der Gastwirt Fritz Brinkmann aus Weenzen bat deshalb darum, die für Mitte Juli geplante dortige „Tanzlustbarkeit“ doch zwei Wochen vorzuverlegen – darum hatten ihn ganz dringend der Zeltbesitzer Stichweh aus Wallensen und der Musiker Fricke aus Salzhemmendorf gebeten. Einen ganz anderen Grund hatte dagegen die Absage einer „öffentlichen Zeltmusik“ in Dehrenberg: im Mai 1912 wütete im ganzen Kreisgebiet ein schweres Unwetter, das besonders in Dehrenberg sehr viel Schaden angerichtet hatte. Der Gastwirt Redeker bat deshalb um Erstattung der Stempelgebühren für die vom Landratsamt bereits erteilte Genehmigung! In Grupenhagen dagegen informierte der Gemeindevorsteher Meier das Landratsamt darüber, dass -wie jedes Jahr- „“die hiesigen Schulkinder beabsichtigen, den 16. Mai wiederum ein Kinderfest, das sog. Freischmeißen im Zelte, zu feiern“!
 
Keine Zeit zum Feiern hatte dagegen Marie Freitag, die im April 1910 eine Ansichtskarte aus Grohnde an ihre Freundin Minna in Nienburg schrieb: „…..Habe eine ganz gute Stellung bekommen, Heimweh habe ich nicht gehabt, wie schnell geht die Zeit hin, bin nun schon bald 3 Wochen hier…..“ Ein anderes junges Mädchen, die 16-Jährige Helene T. aus Hameln bewarb sich am 9. Juli 1917 als Bürogehilfin im Landratsamt: bei der Hilfsdienstmeldestelle für den Kreis Hameln - Allg. Öffentlicher Arbeitsnachweis Hameln -, wo sie seit März mit der Führung von Listen und statistischen Arbeiten beschäftigt war, konnte sie leider nicht bleiben. Am Schluss ihrer Bewerbung schrieb sie: „Meine Gehaltsansprüche sind 40 M[ark] monatlich“. Der Landrat notierte daneben in einer Bleistiftnotiz:: „Kenntnisse nicht berühmt, macht aber sonst einen sehr netten Eindruck. Engagieren“. Helene bekam auch die von ihr gewünschten 40 Mark Monatsgehalt!
 
Möglicherweise war sie es dann sogar, die den ablehnenden Bescheid des Landratsamtes für das im September 1919 geplante Herbstfest in Unsen schreiben musste? Obwohl man dort nicht nur feiern, sondern „den Überschuß den heimkehrenden Kriegsgefangenen zukommen lassen und an das Kreiswohlfahrtsamt weiterleiten wollte“, wurde die Feier nicht genehmigt: „ Es ist schon ein Sommerfest gefeiert worden“ und „….die Absage entspricht auch dem Ernst der Zeit….“ hieß es in dem ablehnenden Bescheid des Landratsamtes. Dort war im Frühjahr 1919 das Kreiswohlfahrtsamt „zur gesundheitlichen, sittlichen und wirtschaftlichen Wiederaufrichtung der notleidenden Bevölkerung“ eingerichtet worden. Der Verband der Vaterländischen Frauenvereine des Kreises Hameln hatte zwei Jahre vorher einen „Plan für die Ausgestaltung der Wohlfahrtspflege im Kreise Hameln“ herausgegeben und darin die Bildung eines „Wohlfahrtsamtes“ beschlossen. Während und nach dem Ersten Weltkrieg hatten vor allem Tuberkulose und Säuglingssterblichkeit zugenommen, so dass schnelles Handeln notwendig wurde; schon zu Kriegsbeginn hatten sich daher die einzelnen, in den Ortschaften verteilten Vaterländischen Frauenvereine zu einem Kreisverband zusammengeschlossen.
 
Mit einem ganz anderen Problem musste sich dagegen das Hamelner Postamt beschäftigen und informierte am 25. April 1920 das Landratsamt über einen Einbruch in die Postagentur Burg in Varenholz bei Rinteln: dort waren in der vergangenen Nacht über 22.000 Mark Bargeld, Postbeutel, Kleidungsstücke, Uhren etc. gestohlen worden waren - wahrscheinlich durch „auswärtige Hamsterer“. Zwei Tage später bekam das Landratsamt weitere Nachricht über den Einbruch, diesmal vom Rintelner Postamt: Bei den Dieben sollte es sich um zwei Radfahrer handeln, die nachts um 2 Uhr vom Nachtwächter in Stemmen auf der Rückfahrt von ihrer Diebestour beobachtet worden waren. Man vermutete, dass die Einbrecher aus Hameln stammten und setzte 100 Mark Belohnung für deren Ergreifung aus. Der Rintelner Postdirektor bat das Landratsamt, den zuständigen Hamelner Beamten von dem Einbruch Kenntnis zu geben und feststellen zu lassen, ob die beiden Diebe auch noch von anderen Zeugen beobachtet worden waren!
 
Vielleicht hätte ja damals ein aufmerksamer Wachhund den Einbruch in Varenholz verhindern können? Für das im Oktober 1921 eingerichtete Kreiskrankenhaus in Hameln wurde jedenfalls ein solcher angeschafft, und Landrat Dr. Loeb als Vorsitzender des Kreiswohlfahrtsamtes bat im Januar 1922 den Hamelner Magistrat um Befreiung von der Hundesteuer (da es sich ja um einen Wachhund handelte!). Leider wurde die Eingabe trotzdem abgelehnt! Mehr Glück hatte man dafür mit zwei Ferkeln, die die Familie von Klencke aus Hämelschenburg dem Krankenhaus unentgeltlich überlassen hatte. Die Tiere wurden im neuerbauten Schweinestall (der übrigens 13.703,90 Mark gekostet hatte) auf dem Krankenhausgelände untergebracht.
 
Keine Aufnahme fand dagegen im Mai 1922 der Arbeiter Hoppe aus Hemeringen, der einen Beinbruch erlitten hatte und von der Oberschwester mit der Begründung: „Beinbrüche gehören in das Städtische Krankenhaus!“ abgewiesen worden war. Der Landwirt Lücke aus Hemeringen beschwerte sich daraufhin umgehend bei Landrat Dr. Loeb und schrieb: “….Dadurch werden der Gemeinde aber erheblich höhere Kosten entstehen, und da sie mit einer  Aufnahme im Kreiskrankenhaus gerechnet hat, hat man sich auch stark an der Lebensmittelspende beteiligt. In Hemeringen herrscht hierüber grosse Aufregung und wird eine wiederholte Sammlung von Lebensmitteln ebenfalls abgelehnt werden…..“ Als der Kreismedizinalrat Dr. Meyer später zu dem Vorfall befragt wurde, gab er unter anderem folgendes an: „Maßgebend für mein Verhalten war ferner die noch nicht erfolgte Aufstellung des Röntgenapparates….“
 
Der Vorstand der Sportvereinigung Brevörde, Pape, bat das Landratsamt im Juli 1923 um Genehmigung zur Abhaltung eines „Volkstümlichen Festes“, dessen „Überschuß der Ruhrspende zugute kommen sollte“ (wegen geringer Rückstände in den Reparationsleistungen hatte Frankreich im Januar 1923 das gesamte Ruhrgebiet besetzt; der von der Reichsregierung proklamierte „passive Widerstand“ musste aus wirtschaftlichen Gründen -Inflation- im September aufgegeben werden). Für diesen Genehmigungsvorgang wurden 500 Mark Stempelgebühren eingezogen!
 
Auch der Hamelner Schüler Herbert machte sich Gedanken über die hohen Gebühren und schrieb darum am 31.8. 1923 auf einer Ansichtskarte an seine Mutter:
 
„Liebe Mutti. Ich will dir noch schnell mal schreiben, denn morgen kostet eine Karte 30 000 M[ark]. ……….“
 
Trotz oder gerade wegen der schweren Zeiten war auch den Arbeiterinnen und Arbeitern der „Lumpensortieranstalt Oldendorf“ nach Feiern zumute: sie wollten am Samstag, den 23. Februar 1924, im Saale des Gastwirts W. Meyer ein „geschlossenes Tanzvergnügen“ mit 80-100 Mitgliedern und 40-50 Gästen veranstalten. Da der zuständige Gemeindevorsteher Brandes keine Einwände hatte und sichergestellt war, dass keine uneingeladenen Gäste teilnehmen konnten (durch die regelmässigen Kontrollgänge des Ortsgendarmen), wurde die Feier auch vom Landratsamt in Hameln genehmigt. Zwei Jahre vorher, nämlich am 2. Osterfeiertag 1922, hatte der Turn- und Sportverein Brünnighausen-Bäntorf eine „theatralische Abendunterhaltung mit nachfolgendem Ball“ im Saal des Gastwirts Willi Willmer veranstaltet. Der Vereinsvorsitzende Friedrich Heisterberg jun. hatte in seinem Schreiben an den Landrat extra darauf hingewiesen, dass die Feier zu Gunsten der Jugendpflege in Brünnighausen stattfinden sollte. Damit war der Verein seiner Zeit schon ein wenig voraus, denn zwei Jahre später, im Sommer 1924, wurde auf Beschluss des Kreistages beim Kreiswohlfahrtsamt ein besonderer Ausschuss mit der Bezeichnung „Jugendamt“ eingerichtet! Er bestand aus dem Landrat als Vorsitzendem und 10 „in der Jugendwohlfahrt erfahrenen Männern und Frauen“, zu deren Aufgaben Amtsvormundschaften, Pflegekinderschutz, Schutzaufsicht, Fürsorgeerziehung, Jugendgerichtshilfe und die Erfüllung der Aufgaben des Gemeindewaisenrats gehörten. Die Amtsdauer seiner Mitglieder betrug zunächst vier Jahre.
 
1930 hatten sich der Landrat und seine Kollegen nur einmal zu einer Sitzung im Kreishaus getroffen – wahrscheinlich fand diese sogar schon in dem neuen Sitzungssaal mit der schönen Wappenfensterfront statt, der am 20. Oktober 1930 feierlich eingeweiht worden war! Im Juni hatte bereits die Zentrale der Sparkasse des Kreises Hameln-Pyrmont ihren Neubau, der unmittelbar mit dem Kreishaus am Pferdemarkt verbunden war, nach zweijähriger Bauzeit bezogen: „Die Aufteilung der Räume sowie die Ausstattung und Einrichtung des Gebäudes, insbesondere des Kassenraumes, der Tresoranlagen und der Arbeitsräume, sind glücklich getroffen und entsprechen in vollem Maße den Anforderungen, die an einen neuzeitlichen Sparkassenbetrieb gestellt werden müssen….“ hieß es im Verwaltungsbericht des Kreises von 1930. Vielleicht hatte man ja anlässlich der Einweihung des neuen Kreistagssaales und des Sparkassengebäudes den Apfelwein getrunken, für den am 6. September 1930 in der Deister- und Weserzeitung folgendermaßen geworben wurde:
 
„Vorzüglicher Apfelwein nach Würzburger Art, die Flasche 40 Pfg. ohne Glas und Kiste, Mindestabgabe 25 Fl[aschen], Kelterei Kreisobstbau-Verein Hameln, Kreishaus“.
Über diesen Verein (155 Mitglieder) wurde erstmalig im 1929 erschienenen Verwaltungsbericht des Kreises berichtet: für das Obst war eine Sortierungs- und Verpackungsstelle eingerichtet worden, wo es erfasst und zu Apfelmost verwertet wurde. Außerdem kümmerte sich der Verein, dessen Geschäftsführer der Direktor der Landwirtschaftlichen Schule, Dr. Tismer war, um die Schädlingsbekämpfung und förderte die Obstbaumdüngung. „In der Obstanlieferung bestehen noch Mängel. Es darf nur bestes und genußreifes Obst angeliefert werden…“ hieß es in dem Bericht weiter.
 
Für die Entsorgung des faulen, ungenießbaren Obstes und sonstiger Abfälle legte der Landrat Dr. Lambert im Februar 1935 den Städten und Gemeinden des Landkreises dagegen durch eine Verfügung nahe, „……die Einführung einer Müllabfuhr zu erwägen“. Doch diese antworteten fast alle ablehnend und weigerten sich, in ihrem Bereich eine Ortssatzung zur Regelung der Müllabfuhr zu erlassen. Schließlich – so argumentierte man – würden alle Haus- und Hofabfälle als Dünger auf dem Hof oder im Garten verwendet oder an das Vieh verfüttert, so dass sich jeder Hausbesitzer selbst um die Fortschaffung seiner Abfälle kümmere. Der Gemeindeschulze aus Thüste begründete die ablehnende Haltung auf den Vorschlag des Landrats mit den Worten:“……dass sich der Beschluß dieser Ortssatzung nicht lohnen würde, sondern den Hausbesitzern nur Unkosten durch die Anschaffung von Mülleimern entstehen würden.“
 
Nicht um Apfelbäume, sondern um zwei Pappeln ging es in dem Schreiben, das das Telegrafenbaubüro Hameln im September 1936 an das Landratsamt schickte: „Die beiden grossen Pappeln an dem Weg zum Pächterwohnhaus der Domäne Ohsen gefährden die Betriebssicherheit des Fernsprechluftkabels und haben das Kabel schon zweimal durch herab brechende Äste beschädigt. Da das Kabel zum Bestande einer öffentlichen Reichsanlage gehört und auch während des Reichserntedanktages noch für andere wichtige Fernsprechverbindungen benutzt wird, bitten wir darum, die Pappeln nach Möglichkeit umlegen zu lassen!“ Der Landrat verwies in seinem Antwortschreiben jedoch auf die im Sommer erlassene Naturschutzverordnung des Kreises und empfahl, „… die Kabel so zu verlegen, dass sie durch die Pappeln nicht beschädigt werden können.“
 
Auch Elisabeth Rudorff wollte Ende des Jahres 1936 fünf Eichen im Stieghagen bei Lauenstein fällen lassen, wie der Revierförster Glato aus Lauenstein nach Hameln meldete – seiner Meinung nach war das Fällen der Bäume aber unnötig. „Die Bäume stehen nicht unter Naturschutz, Frl. Rudorff will zudem nur die schlechtesten Bäume entfernen, ohne das Landschaftsbild zu gefährden und um das Wachstum der anderen Bäume zu fördern. Außerdem hat Fräulein Rudorff selbst ein großes Interesse an der Erhaltung des Landschaftsbildes………“schrieb Lambert an den Förster und den Bürgermeister in Lauenstein zurück. Elisabeth Rudorff war die Tochter des Berliner Musikprofessors Ernst Rudorff (1840-1916), der als einer der Begründer des Heimat- und Naturschutzes in Deutschland gilt. Die Ferienzeit verbrachte er mit seiner Familie auf der Knabenburg in Lauenstein und wohnte später ganz dort. Von Lauenstein aus kämpfte Rudorff für die Erhaltung von Heimat und Natur, unter anderem mit zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen und versuchte auf diese Weise, wichtige historische Kulturlandschaften in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten. Seine Tochter Elisabeth führte nach dem Tod ihres Vaters seine Arbeit weiter.
 
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) trat der durch die britische Militärregierung ernannte Kreistag Hameln-Pyrmont am 22. Dezember 1945 das erste Mal zusammen.. „Es ist die Politik der Militärregierung, Sie ihr eigenes Stück inszenieren zu lassen….“ sagte Lt. Col. (Oberstleutnant) Ferguson zu den Abgeordneten und stellte den zukünftigen Landrat Friedel Zeddies aus Latferde und den neuen Oberkreisdirektor Paul Mertens vor. „…..Ihre vordringliche Beachtung muß der Unterbringung und der Wohlfahrt der Flüchtlinge, der Neuerziehung der Jugend, dem Haushaltsplan für 1946, der Sicherstellung der Leistungsfähigkeit Ihrer Verwaltung auf demokratischer Grundlage, der Wohlfahrt aller und noch vielem anderem mehr gehören….“ mahnte er die Abgeordneten und wünschte ihnen dafür viel Erfolg. Unter den 33 ernannten Kreistagsabgeordneten waren erstmals auch drei Frauen vertreten: Greta Drews aus Hemmendorf und Elisabeth Hoffmeier aus Bad Pyrmont, die die Gruppe der Flüchtlinge vertraten, sowie Elisabeth Immer aus Osterwald für den Bereich Wohlfahrt.
 
Oberkreisdirektor Mertens informierte anschließend darüber, dass man im Zuge der Verwaltungsneuorganisation einen Kreissyndikus, einen Kreisbaumeister, einen stellvertretenden Fahrbereitschaftsleiter und einen Leiter für das Kreisflüchtlingsamt sowie das Kreiswirtschaftsamt eingestellt habe. Im Kreis hielten sich gegenwärtig rund 28.000 Flüchtlinge und Evakuierte auf (am 1.8.1948 zählte man 98.726 Einwohner, von denen 50. 541 Flüchtlinge, Evakuierte und ein kleiner Teil Ausländer waren!). Für sie hatte der Kreis zusammen mit der Stadt ein Lager in den Maggi-Werken in Afferde eingerichtet, von wo sie auf die einzelnen Orte  des Kreises verteilt wurden.
 
Der Oberkreisdirektor berichtete weiter, dass man in vielen Gemeinden Gemeinschaftsküchen und Wärmestuben eingerichtet habe; trotz Rückschlägen seien Industrie, Handel und Gewerbe nach dem Krieg überraschend schnell wieder angelaufen. Kohle- und Strommangel hätten zu Stilllegungen geführt, die Zuckerrübenkampagne konnte nach Errichtung einer Schiffsbrücke bei Kirchohsen jedoch reibungslos durchgeführt werden. Stadt und Kreis hätten außerdem gemeinsam eine Fahrbereitschaft eingerichtet, die den Einsatz von 556 Nutzfahrzeugen steuere und bisher über 3.300 Fahrbefehle für den Nah- und über 1800 für den Fernverkehr herausgegeben habe. Eine weitere Aufgabe der Fahrbereitschaft sei die Überwachung sämtlicher Reparaturwerkstätten im Kreis, führte der Oberkreisdirektor zum Schluß aus. Anschließend mahnte der Abgeordnete August Hachmeister aus Holtensen, “……man müsse wieder lernen zu sparen und bedenken, dass noch nicht feststehe, wie die hohen Aufwendungen für die Durchführung der Fürsorge im Kreise gedeckt werden sollen.“
 
Anfang der 1960er Jahre wurde das ehemalige Clubhaus am Markt für die Kreissparkasse völlig erneuert, die dann nach mehr als 50 Jahren unmittelbarer Nachbarschaft zum Kreishaus neue und größere Räumlichkeiten beziehen konnte!
 
Bis die Kreisverwaltung selbst ein neues Gebäude beziehen konnte, sollten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch mehr als 40 Jahre vergehen. Der damalige Oberkreisdirektor Graumann sagte dazu im März 1970 auf einer Sitzung des Bau- und Wohnungsausschusses: “……Die zur Zeit ins Stocken geratene Verwaltungs- und Gebietsreform wirft Probleme auf. Es ist zu überlegen, ob der Sitz der Kreisverwaltung überhaupt am Pferdemarkt bleiben soll, ein funktionsgerechter Verwaltungsablauf ist hier kaum möglich…….“ Ende 2005 / Anfang 2006 war es dann soweit:: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den im ganzen Stadtgebiet verteilten Verwaltungsstandorten zogen in das Neue Kreishaus in der Süntelstraße! 
  
 

Lesen Sie mehr zur Geschichte des Landkreises in der Dewezet-Serie 0 bis 6 [PDF: 7 MB]  und in der  Dewezet-Serie 7 bis 9 [PDF: 2,6 MB] .


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Die Beilage der DEWEZET zum Landkreisjubiläum finden Sie unter der Beilage Teil I [PDF: 5,1 MB]  und Teil II [PDF: 6,2 MB] .

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