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12.04.2019

Fachnachmittag vom Netzwerk Kinderschutz: GEMEINSAM ACHTSAM - Die Kinderschutzambulanz der MHH im Dialog mit Medizin, Recht und Pädagogik

Kindeswohlgefährdung geht uns alle an. Auch das Netzwerk Kinderschutz in Hameln-Pyrmont beschäftigt sich seit seiner Gründung vor mehr als 7 Jahren mit diesem Thema und ist beständig im Austausch mit anderen Professionen. Das Netzwerk Kinderschutz informiert sich über das jeweilige Angebotsspektrum und bespricht strukturelle Fragen der Angebotsgestaltung und –entwicklung, allerdings ohne Entscheidungen in Einzelfällen zu treffen.

Um den Austausch deutlich breiter zu gestalten, hat das Netzwerk die Fachwelt aus Medizin, Recht und Pädagogik zu einem Dialog eingeladen. Bereits vor einem Jahr begannen die Planungen zu dieser Veranstaltung, die große Resonanz fand und restlos ausgebucht war.

Schwerpunktthemen waren die medizinische Diagnostik zur Gewaltanwendung bei Kindern, Kommunikation in Krisensituationen, Abläufe bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, Vernetzung, Prävention und Datenschutz. Ziel dieser Veranstaltung war es, über diese Themen ins Gespräch zu kommen, um an diversen Stellen gemeinsam achtsam das Kindeswohl fördern zu können. Dazu gab es zwei Fachvorträge und fünf Workshops. In diesen konnten die Kollegen aus den verschiedensten Fachgebieten - ähnlich wie in den Sitzungen des Netzwerks Kinderschutz - Anregungen „auf Augenhöhe“ austauschen und sich besser kennen lernen.

Frau Prof. Dr. Debertin, die Leiterin der Kinderschutzambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover (https://www.mh-hannover.de/kinderschutz.html), begrüßt einen solchen Austausch. Sie findet eine Zusammenarbeit der verschiedensten Professionen ebenfalls wichtig, um Kindeswohlgefährdung auf breiter Ebene begegnen zu können. Mit geschützten Bildern, die man nicht vergisst und die nur im Rahmen von Veranstaltungen gezeigt werden dürfen, hat sie den Unterschied zwischen Unfällen und Gewaltanwendung eindrücklich dargestellt. „Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens“, sagte Debertin.

Auch Landrat Tjark Bartels griff die Aussage von Debertin auf und bestätigte, „dass wir gerade in unserer derzeitigen Lage diese Diskussion führen und genau hinschauen müssen.“ Bartels lobte, dass bei der vielfältigen Gemengelage und Differenzierung der unterschiedlichsten Arten von Kindeswohlgefährdung an den verschiedensten Stellen  ein Achtgeben vorhanden ist.

Monique Grupe vom Deutschen Kinderschutzbund in Hameln hat dem Punkt „Kommunikation“ ein wichtiges Schlaglicht verliehen. Im anschließenden Workshop zu diesem Thema wurde deutlich, dass das Einüben in die Gestaltung förderlicher Gesprächsabläufe häufig in den verschiedensten Ausbildungen sehr kurz kommt. Mit dem Wissen um gelingende Gesprächsführung fiele es sicher leichter, gerade in schwierigen Momenten einfach mal nachzufragen. Darum bat zuvor bereits auch Debertin und betonte: „Fragen Sie ruhig mal nach -  wenn Kindeswohlgefährdung vermutet wird.“ Genau das bedarf allerdings Sicherheit im Umgang mit dem Wort und der Auseinandersetzung.

Um auch Sicherheit zu geben, wer sich in welchen Angelegenheiten wohin wenden kann, gab es Workshops zu Abläufen im Kinderschutz, Vernetzung und Prävention. Im Workshop Datenschutz wurde die Frage aufgerollt, in wieweit Datenschutz und Schweigepflicht im Zusammenhang mit Meldungen zum Kinderschutz stehen. In dieser Angelegenheit gibt es Auskunft in § 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG). Hier wird für aufgelistete Berufsgruppen beschrieben, dass wenn „in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen bekannt (sind), so sollen sie mit dem Kind oder Jugendlichen und den Personensorgeberechtigten die Situation erörtern und, soweit erforderlich, bei den Personensorgeberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.“

Daneben wird auch auf den „Ärztlichen Leitfaden Kinderschutz“ verwiesen: www.aerztlicher-leitfaden-kinderschutz-nds.de . Der Leitfaden möchte ebenfalls zu mehr Sicherheit im Umgang mit Problemen bei Gewalt gegen Kinder und zur besseren Vernetzung der unterschiedlichen Hilfesysteme beitragen.

Abschließend kann festgehalten werden, dass die Veranstaltung sehr gut ankam. Das Netzwerk Kinderschutz und der Landkreis sind erfreut, dass sich so viele verschiedene Professionen auf den Weg in ein konstruktives Miteinander gemacht haben, um gemeinsam achtsam  zu sein.